Hartmann & Zirkel

Endodontie - Wurzelbehandlung

Eine der häufigsten Ursachen für Zahnschmerzen ist ein entzündeter Zahnnerv. Diese Entzündung bzw. das Absterben des Zahnnerv (auch Pulpa genannt) kann verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen geht diesem Geschehen eine tiefe Karies voraus. Will man den Zahn nun langfristig erhalten ist eine sogenannte Wurzelkanalbehandlung das Mittel der Wahl. In dem nachfolgenden Text sollen Sie über diese Form der Behandlung informiert werden.

Aufbau des Zahns (Abb.):

Der Zahn besteht aus der Zahnkrone, dem Zahnhals und der Zahnwurzel. Sichtbar sind nur die Krone und ein Teil des Zahnhalses. Geht das Zahnfleisch zurück, können an dieser Stelle Kälte- und Hitzereize Schmerzen auslösen (überempfindliche Zahnhälse). Die Wurzel ist im Kiefer verankert.

Der Zahn besteht aus mehreren Schichten. Die Zahnkrone wird außen vom Zahnschmelz umgeben, dies ist die härteste Substanz des Körpers. Der Schmelz schützt das Zahnbein (Dentin), die Hauptmasse des Zahns. Dentin ist weicher als der Zahnschmelz und somit anfälliger für Karies. Diese Schicht ist schmerzempfindlich und reagiert auf Hitze-, Kälte- und Berührungsreize. Im Inneren des Zahnes befinden sich Hohlräume. Durch diese Hohlräume verlaufen Bindegewebe, Blutgefäße, Lymphgefäße und Nerven, ein Gebilde was im Zusammen Pulpa heißt und im Volksmund „Zahnnerv“ genannt wird. [Abb.]

Zahnwurzelentzündungen

Eine Wurzelkanalbehandlung wird nötig, wenn die Pulpa (Nerven, Blut- und Lymphgefäße) so stark entzündet ist (Pulpitis), dass keine Ausheilung nach Entfernung des Reizes (tiefe Karies) möglich ist. Man spricht dann von einer nicht umkehrbaren Entzündung des Zahnnervs (irreversible Pulpitis). Diese kann durch tief gehende Karies oder durch Risse im Zahn ausgelöst werden. Bakterien gelangen von der äußeren Schicht, dem Zahnschmelz, zum weicheren Dentin und von dort aus in den Wurzelkanal. Hier wird das Gewebe von den Krankheitserregern angegriffen und zerstört. In einigen Fällen ist die Entzündung sehr schmerzhaft, in anderen Fällen spürt der Patient nur leichte oder gar keine Beschwerden. Daher sollte, auch wenn der Zahn nur wenig schmerzt, stets eine Kontrolle erfolgen.

Es besteht sonst die Gefahr, dass Bakterien über den Zahn hinaus das umliegende Gewebe (Knochen) weiter schädigen. Daraus können sowohl akute als aber auch chronischen Entzündungen entstehen. Die akuten Entzündungen verursachen meist große Schmerzen aber Schwellungen und Fieber können auftreten. In schweren Fällen kann es zu einer Sepsis (Entzündung) des gesamten Organismus kommen.

Im Falle der Chronifizierung kann es  langfristig zu einer Schädigung des Organismuses kommen, obwohl keine oder nur eine geringe Symptomatik vorliegt. Welche Auswirkungen dieses teilweise über Jahre bzw. Jahrzehnte bestehenden Entzündungen haben ist nicht abschließend geklärt.

Endodontische Behandlung (Wurzelkanalbehandlung):

Die Endodontie ist die Fachrichtung der Zahnheilkunde, die sich mit dem Inneren des Zahns befasst, besonders mit Erkrankungen der Zahnwurzel. Bei einer Wurzelkanalbehandlung muss das abgestorbene bzw. stark entzündete Gewebe sowie möglichst alle Bakterien aus dem Zahninneren entfernt werden, um eine weitere Infektion zu verhindern. Hierzu wird zunächst die eventuell vorhandene Karies entfernt, häufig müssen dazu auch Kronen oder Brücken am betroffenen Zahn entfernt werden, um alle potenziellen Eintrittspforten für Bakterien sicher ausschließen zu können. Dann wird ein Zugang zum Wurzelkanalsystem durch eine Zugangsbohrung geschaffen. Die Reinigung des Wurzelkanalsystems ist eine schwierige Angelegenheit, da der innere Aufbau von Zahn zu Zahn unterschiedlich ist. Schmale Gänge und Verzweigungen, die in der Tiefe der Zahnwurzel liegen, sind nur schwer zu erkennen.

Der Spezialist für Endodontie benutzt deshalb ein Dentalmikroskop. Die Kanäle werden dann gründlich mit speziellen Instrumenten und Spülungen von abgestorbenem Gewebe und Bakterien befreit, sodass im Anschluss das so gereinigte Wurzelkanalsystem (Holräume) abschließend mit einer möglichst dichten Füllung verschlossen werden kann. Hierzu wird im Allgemeinen eine Mischung aus einem biokompatiblem Material (eine Art Kautschuk) und einem Füller verwendet. Abschließend wird der Hohlraum in der Zahnkrone wieder bakteriendicht verschlossen. Wurzelbehandelte Zähne sollten nach der Behandlung mit einer Krone oder Teilkrone versorgt werden, damit sowohl ein dichter Verschluss, als auch eine Stabilisierung des geschwächten Zahnes  garantiert ist.

Eine qualitativ hochwertige Wurzelbehandlung kann den Zahn bei guter Mundhygiene und anschließender adäquater Versorgung ein Leben lang erhalten.